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Kulturmagazin für Migration und Partizipation

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Betreten erlaubt!

von Dankwart von Loeper

Was ist das Zeichen unserer Identität? Für manchen mag da die Fahne herhalten. Sie erscheint als untrügliches Symbol jedweder Gruppen: vom Sport über die Kirchen bis zum Staat. Unermüdlich flattern Fahnen unserem Bewusstsein voran. Hinter der Fahne versammeln sich dann die Mannen, um in die nächste Schlacht zu ziehen: Das identitätstiftende Symbol ist die werbewirksame Marke der Einigkeit, hinter der die sonst vorhandenen Unterschiede nicht mehr so bedeutsam erscheinen. Eine Corporate Identity, hinter der sich jede und jeder verstecken kann.

Doch besitzen wir dieses Wir-Gefühl wirklich oder ist es nur eine gern ge- und missbrauchte Fiktion? Haben Deutsche, Türken, Spanier, Amerikaner oder Chinesen eine unterschiedliche Identität, die sie gegen die jeweilig andere abgrenzt? Oder ist nicht schon innerhalb jeder Gruppe, jedes Stammes, jeder Nation mit all den früher oder später Migrierten jeder ein völlig anderer und eben nicht idem (lat.) = der selbe, der gleiche? Wird von den Migranten nicht eine Gleichheit erwartet, die die Mehrheits-Gesellschafter unserer angeschlagenen Firma „Staat“ gar nicht besitzen?

Die Autorin Mely Kiyak warnt ausdrücklich in dieser Ausgabe: „Der Immigrant kann kein glücklicherer Stellvertreter als der Deutsche selbst sein. Er lebt und motzt und meckert also, wie jeder andere auch. Und er darf das auch. Die Kinder von Immigranten haben das Recht zu sagen, ich lebe in Deutschland, aber ich mag es hier nicht, ich träume von der Südsee. Doch die Tendenz geht dazu, dass erboste deutschstämmige Bürger schrill fordern, diese Menschen sollen raus. Meiner Ansicht nach steht so etwas niemandem zu. Ich sage auch keinem Deutschen, wenn dir hier zu viele Schwarzgelockte, SPD-Wähler oder Hundebesitzer wohnen, dann hau doch ab aus Deutschland. Offensichtlich gibt es eine immer größer werdende Gruppe, die ihr Wir-Gefühl dadurch definiert, dass sie sagt, wir sind wir und ihr gehört aufgrund eurer Ethnie, eures Glaubens oder geringen Einkommens nicht dazu, und nun seht entweder zu, dass ihr werdet wie wir oder zieht Leine. Doch die, die am lautesten Forderungen stellen, sind meiner Erfahrung nach immer die, die ein Problem mit sich haben.“ (Seite 12).

Identitätsprozesse sind spannend, vermutlich heute mehr denn je. Das heißt aber auch, sie sind spannungs-reich und wir können dies (ganz im Wortsinn) nicht nur als Problem, sondern auch als Reichtum wahrnehmen. Traditionelle Zugehörigkeiten lösen sich auf. Jeder kann aus einer Vielzahl von Identitätsangeboten auswählen und sich seine eigene Identität erarbeiten. Die Politikwissenschaftlerin Naika Foroutan sieht dies als besondere Herausforderung für die dritte Migranten-Generation: „Wir glauben, dass die Zuschreibung zu einer wie auch immer gearteten Nation in den heutigen postmodernen Konstellationen immer schwieriger wird. Deswegen gibt es Nationenbilder, die erfunden werden, und diese liegen meistens in der Ferne ... Nach einer langen Phase der Ignoranz ist man jetzt in eine Phase der Wut und der aggressiven Einforderung von Teilhabe übergegangen. Insofern ist diese Generation jetzt sehr sichtbar, nachdem Muslime viele Jahre lang gesamtgesellschaftlich betrachtet kein Thema waren.“ (ab Seite 28).

Wohin also entwickelt sich „unsere“ Identität? Oder sollten wir lieber fragen: Wie bunt, wie unterschiedlich, wie frei entwickeln wir unsere multiplen Identitäten? Auf unserem Titelbild sind nur die Schatten der Fahnen zu sehen. Was sonst nach oben ragt, zeigt hier plötzlich nach unten, und weist damit auf uns, den Betrachter. Jede der Fahnen wirkt unterschiedlich und doch gleichen sich alle auf merkwürdige Weise. Das Schattenspiel entlarvt den kühnen Stolz der Fahnen: Ihrer Farbenpracht beraubt sind plötzlich alle Fahnen idem − das gleiche. Das Heiliggeglaubte, Unberührbare, Idealisierte liegt nun ausgebreitet auf den Pflastersteinen. Für jeden begehbar, bespielbar. Selbst der Gassenhund kann seine Marke hinterlassen.

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