Integrationsleitlinien, interkulturelle Öffnung, Diversity Management, Cultural Mainstreaming - in den letzten Jahren beschäftigen sich Migrations-Experten mit immer neuen Konzepten. Die interkulturelle Öffnung aller Institutionen beinhaltet allerdings mehr als das Verbot der Diskriminierung von Minderheiten. Es handelt sich um eine Querschnittsaufgabe, deren Umsetzung die Abkehr von der bestehenden deutschen Dominanzkultur bedeuten würde. nah & fern hat einige Konzepte auf den Prüfstand gestellt. Außerdem im Heft: Die Fotodokumentation "Willkommen im Traumviertel! - Jugendliche planen ihr eigenes Stadtviertel". In der Galerie wird diesmal der Künstler Romuald Hazoumé aus Bénin mit seiner documenta-Installation "Dream" vorgestellt.
Wohlmeinende und meist sehr engagierte Haupt- und Ehrenamtliche in der Flüchtlings- und Migrationsarbeit pflegen gelegentlich von „ihren Schutzbefohlenen“ zu sprechen: „mein Flüchtling“, „mein Migrant“ oder auch „meine Kurden“, „meine Iraker“, „meine Kosovaren“ werden dann angeführt. Das Possessivpronomen besagt es nur allzu deutlich: Er oder sie gehört mir! Wenn schon nicht physisch-materiell, so doch wenigstens als gedankliche Manövriermasse. Was Migrantinnen und Migranten so denken, fühlen, zu tun und zu lassen haben, das weiß der selbsternannte Vor-Mund natürlich alles viel besser.
In Karlsruhe wurden − wie in vielen anderen Orten auch − vor einiger Zeit neue Schilder an eine Behörde geschraubt: Aus dem „Amt für Ausländerfragen“ wurde das „Büro für Integration“. Damit fühlte man sich auch sprachlich auf der Höhe der Zeit: Der technokratische, nach Problemen klingende Begriff „Ausländerfragen“ wurde durch den neuen, moderneren Begriff der Integration ersetzt.
Auch nah & fern hat still und leise alte „Schilder abgeschraubt“ − sprich den Untertitel dieser Zeitschrift geändert. Doch wir haben den Begriff „Integration“ schlicht fallen gelassen und durch den neutraleren der Migration ersetzt: Aus dem „Kulturmagazin für Integration und Partizipation“ ist das „Kulturmagazin für Migration und Partizipation“ geworden.
(Auszug aus dem Editorial der Zeitschrift)
Die Europäische Kommission hat das Jahr 2007 zum „ Jahr der Chancengleichheit für alle“ erklärt. Für alle? Meint Europa, was es da vollmundig verkündet? „ Das Europäische Jahr“ , so die EU in einer Presseerklärung, sei „ Herzstück einer Rahmenstrategie, mit der Diskriminierung wirksam bekämpft, die Vielfalt als positiver Wert vermittelt und Chancengleichheit für alle gefördert werden soll“ . Das Jahr solle signalisieren, dass „ Nichtdiskriminierung und Chancengleichheit ein wichtiger Bestandteil der Menschenund Bürgerrechte sind und insofern oberste Priorität in der Europäischen Union beanspruchen.“ ...
(Auszug aus dem Editorial der Zeitschrift)
Die Alten - , so ein Bonmot von George Bernard Shaw, „ sind gefährlich. Sie haben keine Angst mehr vor der Zukunft.“
Doch stimmt dieser Satz noch in Zeiten von Rentenkürzungen und Hartz IV? Für Migrantinnen und Migranten ist das Altwerden in Deutschland oft eine doppelte Härte: Zu der sozialen Ausgrenzung kommt die Sehnsucht nach der Heimat, das Gefühl des Verlorenseins zwischen Dort und Hier. Längst sind viele von ihnen im Rentenalter angekommen. Eine echte Auseinandersetzung mit diesem Thema blieb in unserer Gesellschaft aber weitgehend aus...
(Auszug aus dem Editorial der Zeitschrift)
In diesem Heft treffen sie direkt aufeinander: der große Spaß am Fußballspiel und das große Leid bei der Fußballproduktion. Die befreiende, integrierende, neue Hoffnung gebende Kraft des Spiels bei Kindern in Costa Rica - und die noch immer nicht gelingende Integration von Migrantenkindern bei den „alteingesessenen“ bundesdeutschen Vereinen. Der von neuem Selbstbewusstsein getragene Frauenfußball in Palästina und Afghanistan - und Frauenhandel und Zwangsprostitution vor unserer Haustür. Kritik, Information, Aufregung - und vor allem Anregung wollen wir mit dieser neuen nah & fern-Ausgabe bieten. Sport (und hier speziell Fußball) und Migration - das hat ungeheuer viel miteinander zu tun, mehr als manchem geheuer ist.
Bilder sind ungeheuer mächtig. Das hat nicht zuletzt der Karikaturenstreit bewiesen. Ob Satire oder Herabsetzung von religiösen Gefühlen der - Grat, der Anschauung von Weltanschauung, Bild von Einbildung trennt, ist schmal und kann zu heftigen Auseinandersetzungen führen.
In der neuen Ausgabe von „nah & fern“ wird die Funktion von Bildern, Vorurteilen und Stereotypen aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet:
"nah & fern" will einen Beitrag zum Prozess der Integration und der Partizipation von Flüchtlingen und MigrantInnen in unserer Gesellschaft leisten. Sie ist in erster Linie ein Kulturmagazin: Beiträge aus Politik, Wissenschaft, Kunst und Kultur stehen neben Analysen und Interviews, Meinungsbeiträgen und persönlichen Erfahrungen. Integration wird in "nah & fern" als Prozess verstanden, zu dessen Gelingen Aufnahmegesellschaft und Zuwanderer gegenseitig beitragen.
Partizipation steht für einen gleichberechtigten Zugang zu den für die Integration notwendigen gesellschaftlichen Bereichen. Dazu gehören beispielsweise Ausbildung und Arbeit, Politik und Gesellschaft, aber eben auch Theater und Film, Literatur und Bildende Kunst. In "nah & fern" werden die Voraussetzungen und Möglichkeiten dargestellt, die für den Integrationsprozess notwendig sind. "nah & fern" will in vielfältiger, durchaus auch kontroverser Weise, Denkanstöße vermitteln und neue Ideen entwickeln und vorstellen.
In "nah & fern" schreiben bekannte - aber auch junge, erst noch zu entdeckende - Autorinnen und Autoren, Wissenschaftler, Journalisten und Künstler. Ein kompetenter Beirat unterstützt dabei nachhaltig die Arbeit der Redaktion.